Am 17. Januar 2026 kommen 24 Mitglieder und Gäste des Debattierclubs Winterthur im home of Innovation zum vierstündigen Debattiertraining. Eine grosse Gruppe. Der Club debattiert vierzehntäglich politisch oder gesellschaftlich relevante Themen nach dem Format der Offenen Parlamentarischen Debatte (OPD). Es gilt, für alle etwas ‘Forderndes’ zu bringen: für die professionellen Laien wie für den interessierten Gast, der mal zum Schnuppern kommt.
Ursula Naef von schweiz debattiert leitet das interaktive Training mit Inputs und unterschiedlichen Übungen in wechselnden Dreiergruppen. Alle reden, alle sind engagiert dabei.
Vollständige Argumente zu formulieren, das ist der leichte Einstieg. Es folgen Redeaufträge zu gut strukturierter Argumentation. Es gibt Reflexionsaufträge nicht nur zu eigenen Redebeiträgen, sondern auch zur Beurteilung von Massnahmen, zur Einordnung von inhaltlichen Positionen oder zur Erkennung von Lücken bei gegnerischen Argumentationen. Alle Teilnehmenden haben sich ihr eigenes Ziel gesetzt, an dem sie arbeiten.
Die echte Herausforderung kommt am Nachmittag für alle. Auch mit einem guten Instrumentenkoffer ist sie fast nicht zu bewältigen. Wie kann man nämlich unfaire Argumentationsstrategien kontern, wenn man erstens fair debattieren will und wenn man zweitens die Debatte auch wirklich führen will (und sie nicht einfach abbricht)?
Die Teilnehmenden bekommen eine Liste mit einerseits unfairen Methoden der Debatte und mit andererseits fairen Strategien, um zu kontern und zu überzeugen. Die Aufgabe lautet: Die drei Fraktionsfreien im Format OPD müssen gezielt unfair reden und auftreten. Die anderen Rollen sollen fair kontern.
Fazit nach der Übung: Es ist schwierig, gleichzeitig sachlich überzeugend, publikumswirksam und fair konternd zu sein. Es ist allerdings auch schwierig – und das überrascht –, auf Befehl unfair zu reden. Allerdings ist eine längere ‘unfaire’ Passage einer Oppositionsrolle (mit erfundenen, falschen Fakten) so gut vorgetragen, dass sie nicht als solche erkannt wird. Sie wirkt.
Das kurze Training schärft sicher die Wahrnehmung von rhetorischen Strategien. Überzeugend und ruhig kontern und zur Debattensache zurückzulenken, das bleibt das Ziel.
Ursula Naef, im Januar 2026